Biogasanlage - April 2015
Matterhorn-Biostrom

Seit Ende April 2015 ist die erste Zermatter Biogasanlage in Betrieb und die ersten kWh Matterhorn-Biostrom fliessen ins Zermatter Stromnetz. Initiiert und umgesetzt wurde das Projekt von der Familie Julen. Der Bau dauerte knapp ein Jahr.

Jährlich wird die Anlage zwischen 500’000 und 700’000 kWh Strom produzieren. Das reicht, um schätzungsweise 200 Haushalte während eines Jahres mit Strom zu versorgen.

Herausforderungen meistern – Planung und Bau

Da in Zermatt kaum mehr gewerbliche Flächen vorhanden sind, war der Bau der Biogasanlage einzig im Zusammenhang mit einem Landwirtschaftsbetrieb möglich (Zonenkonformität). Dies erforderte jedoch eine anspruchsvolle Planung, denn die landwirtschaftliche Fläche rund um den Julen-Hof befindet sich in Hanglage. Erschwerend kam hinzu, dass der Standort an einem theoretischen Lawinenhang ist, der auch als touristisches Naherholungsgebiet gilt. Somit musste die Anlage absolut lawinensicher und frei von Geruchsemmissionen erstellt werden. Optisch soll sich die Anlage natürlich und harmonisch dem Landschaftsbild anpassen. Aus diesen Gründen wurde die gesamte Anlage, inklusive dem typisch runden Gasballon auf dem Fermenter (Bioreaktor), unterirdisch erstellt.

Das Substrat, welches in einer Biogasanlage vergoren wird, wird nach dem Gärungsprozess wieder auf Felder und landwirtschaftliche Nutzzonen als Dünger ausgebracht. Da dies in Zermatt während der gesamten Winterzeit nicht möglich ist, muss die vergorene Gülle in der Anlage zwischengelagert werden, bevor Sie im Frühling und Herbst auf die Felder verteilt werden kann. Dies erfordert enorme Lagerkapazitäten, welche unterirdisch eingeplant werden mussten. 

So wurden Fermenter mit einem Fassungsvermögen von 500 Kubikmeter, Nachgärer von 450 Kubikmeter, Gaslager mit 350 Kubikmeter, sowie ein Zwischenlager mit insgesamt 1200 Kubikmeter realisiert.

Biogas Zermatt 4Fermenter

Biogas Zermatt 1Aushub, Frühling 2014


Matterhorn-Biostrom vereinfacht erklärt

Eine Biogasanlage besteht aus einem grossen Tank, einem kleinen Gaslager und einem Block-Heiz-Kraftwerk (BHKW). Im Falle der neuen Anlage in Zermatt werden im Tank der Schafmist der eigenen Schwarznasenschafe, Kuhmist der eigenen Evolener-Zucht und die bioorganischen Abfälle der Gemeinde Zermatt zusammen vergoren. Dabei produzieren kleine mikroorganische Lebewesen eine Menge Gas, welches abgesogen und schlussendlich im BHKW einem Motor zugeführt wird. Dieser treibt einen Generator an. So entsteht aus dem Mist der Tiere und Speiseresten CO2-neutraler Strom.